Wie ein evangelisches Magazin mich auf High Heels in eine Glaubenskrise stolpern ließ oder: das macht ihr also mit meiner Kirchensteuer
Ich rede eigentlich nicht gern über Glaubensdinge. Heute breche ich mein Schweigen, um dich, geneigten Leser, an meiner Lektüre des evangelischen Magazins “chrismon” teilhaben zu lassen. chrismon (muss klein geschrieben werden, klingt dann frech und fresh) ist das kostenlose evangelische Magazin, das monatlich der “Zeit” beiliegt. Und los geht’ s:
Ich überspringe die Artikel “Familie” (noch zu früh), “Religion für Einsteiger” (schon zu spät), und bleibe bei “Begegnung” hängen; hier werden die Feministin Stefanie Lohaus und die Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner von ihren Baustellen (im Falle von Lohaus ein ‘Popkulturmagazin für Frauen mit feministischer Grundhaltung’ und im Falle von Frau Schock-Werner – nun ja, der Kölner Dom eben) erzählen. Und von der “Dauerbaustelle Feminismus”. Frau Schock-Werner beispielsweise schockt mit der Behauptung, dass es in der katholischen Kirche frauenfreundlicher als an deutschen Universitäten zuginge, obwohl, wichtige Einschränkung, immer noch alle Gerüstbauer am Kölner Dom Männer seien. Denjenigen Frauen, die den Feminismus für längst erledigt hielten, und die bei der Heirat gerne den Namen des Mannes annehmen wollten, schleudert sie trotzig entgegen: “Das werden sie alle mal bitter bereuen!”. Jawohl, Frau Schock-Werner!
Aber ich neige zur Polemik. In dem veröffentlichten Interview haben sowohl Frau Lohaus als auch Frau Schock-Werner viele richtige, wichtige Dinge gesagt. Zum Beispiel, dass sich gesellschaftliche Strukturen langsamer als die Gesetzte änderten, und der Konservatismus auch weiblichen Nachwuchs habe, und Frauen weniger verdienten und häufiger Hartz-IV-Empfänger seien. Jaja, woman is the Nigger of the world und so. Ich bin drauf und dran, in ein innerliches Dauernicken zu verfallen; dann überfällt mich Frau Schock-Werner mit ihrer Antwort auf die Frage “Vieles muss sich ändern. Und woran wollen Sie festhalten?”, die ich mal eben kommentiert wiedergeben möchte:
“Festhalten muss man auch am Misstrauen, zum Beispiel gegenüber dem Modewahn der extremen High Heels, in denen ja kein Mensch laufen kann . Ich bewundere die Frauen, die das tragen,”
Wo bleibt das Gender Mainstreaming, Frau Schock-Werner? Implizite Diskriminierung von High-Heel-tragenden Männern.
“aber eigentlich finde ich es sehr erschreckend, dass es wieder so viele sind”.
Aha. Sie findet etwas Bewundernswertes erschreckend, wenn es von vielen getan wird? So wie, sagen wir mal, wenn jetzt alle Menschen ihre andere Wange hinhielten, ihr Hab und Gut verschenkten, mit ein paar Hippies durch die Lande zögen, Kranke heilten und sich ans Kreuz nageln ließen? Aber ich schweife ab…zurück zum Interview.
“In solchen Schuhen kann man nicht weglaufen.”
Ach, nein? Dann schaun se mal hier. http://www.youtube.com/watch?v=HPJ1OhoU8jE
“Da frage ich mich schon, was da dahintersteckt.”
Ja, liebe Frau Schock-Werner! Was steckt hinter diesen angeblichen Massen von high-heel-tragenden Frauen? Nun ja, vielleicht ist die feministische Botschaft, dass Gewalt gegen Frauen vor allem in den eigenen vier Wänden stattfindet, nach jahrelanger Aufklärungsarbeit angekommen und frau von heute hat ihre Doc Martens mit Stahlkappe deshalb griffbereit neben dem Bett stehen? Und ein Mann in schicken Loafers mit Rutschesohlen oder in Turnschuhen ohne Schnürsenkel rennt auch nicht schneller als die Durchschnittsfrau in Stöckelschuhen. Von der Gewinnerin des Stiletto Race 2007 ganz zu schweigen.
Ich besitze keine High-Heels. Ich habe noch nie ein Paar besessen und bin schon mit Drei-Zentimeter- Absätzen überfordert. High Heels tun weh, und man fliegt schnell mal auf die Fresse. Bruce Darnell übrigens findet eine 31-jährige Frau ohne High Heels inakzeptabel (http://www.youtube.com/watch?v=7uuO35G8Qeg). Und ich bin schon 32! Mein Entschluss steht fest: High Heels müssen her. Frau Schock-Werners Bedenken schlage ich in den Wind; solange ich keinen Doppelnamen annehme, gibt es nichts zu bereuen! Ich werde also in den nächsten Schuhladen gehen, mir ein Paar kaufen, und dann-nix wie los im Sauseschritt! Bruce Darnell wäre mein Prophet, und wir stöckelten durch die Lande. Es gäbe ein paar Erweckungserlebnisse; Lahme könnten laufen, sogar in High Heels; Bruce Darnell würde sich von LaCroix nageln lassen, und dann -
Aber ich schweife schon wieder ab. Zurück zu chrismon: Würde ich weiterlesen, könnte ich unter der Rubrik “Doppelpunkt” erfahren, wie echte Männer in Würde alt werden, und in “Fragen an das Leben” könnte ich etwas über John Irving lesen, der Figuren erfindet, denen er dann Schlimmes antun muss. Ich überlege, was Gott mir antun wird, wenn er herausfindet, dass ich gotteslästerliche Artikel veröffentliche. Dann fällt mir ein, dass
a) Gott allwissend und somit schon längst informiert ist;
b) Gott solche Ausrutscher verzeiht, schließlich ist er kein Islamist und ich kein dänischer Karikaturist;
c) Gott mein Blog nicht liest.
Aber du, werter Leser. Ich mag dich. Gott mag ich natürlich auch. Aber darüber rede ich nicht gern.
Keine Trackbacks bisher.